Historische Persönlichkeiten des KIT
Das KIT kann auf eine lange Tradition und herausragende Persönlichkeiten in der Klima- und Umweltforschung zurückblicken. Bereits Ende des 18. Jahrhunderts begann man mit systematischen meteorologischen Beobachtungen. Nach der Gründung des Polytechnikums im Jahr 1825 als Vorgänger der späteren Universität und des heutigen KIT, kam geologische und ingenieurwissenschaftliche Forschung hinzu. Daraus entwickelten sich Institute der Meteorologie, der angewandten Geowissenschaften und des Bauingenieurwesens, die auch heute national und international von Bedeutung sind. Auf dieser Seite haben wir einige bedeutende Personen zusammengestellt:
1778 - Johann Lorenz Boeckmann - Meteorologie

Bedeutung für Karlsruhe
Meteorologische Messungen gab es schon vor der Gründung des Polytechnikums 1825: Das badische meteorologische Institut bestand bereits seit 1778, gegründet von Prof. Johann Lorenz Boeckmann.
Bedeutung für das Fach Meteorologie
Basierend auf den Messungen von Boeckmann entstanden vor fast 100 Jahren wegweisende Arbeiten zu Wetterbeobachtungen, Strahlungs- und Sichtweitenmessungen. Sie legten den Grundstein für ein deutschlandweites Messnetz.
Bedeutung für die Gesellschaft
Heute hat das KIT das größte universitäre meteorologische Institut Deutschlands.
1807 - Johann Gottfried Tulla - Geodäsie

Bedeutung für Karlsruhe
Tulla gründete 1807 eine Ingenieurschule, die 1832 in das Polytechnikum eingegliedert wurde. Daraus ging 1885 die TH Karlsruhe und 2009 das KIT hervor. Unter anderem initiierte Tulla die erste Phase der badischen Landesvermessung.
Bedeutung für das Fach Geodäsie
In den letzten 200 Jahren arbeiteten an der hiesigen Universität namhafte Vertreter des Vermessungswesens. Besonders wichtig: Prof. Wilhelm Jordan. In den 1870er Jahren gründete er in Karlsruhe das erste geodätische Institut in Deutschland.
Bedeutung für die Gesellschaft
Die Vermessung von Grund und Boden diente im 19. Jahrhundert dazu, die Höhe der zu zahlenden Steuer festzusetzen (Steuerkataster). In einem weiteren Schritt diente der Kataster auch als Eigentumsnachweis (Eigentumskataster).
1825 - Friedrich August Walchner - Geologie

Bedeutung für Karlsruhe
Friedrich August Walchner wurde 1825 als einer von zwei Professoren am neu gegründeten Polytechnikum angestellt. 1833 bis 1836 wirkte er als zweiter Direktor dieser Vorgängerinstitution des KIT. Während seiner Amtszeit entstand das Hauptgebäude, heute Kaiserstraße 12. 1840 war Walchner Gründungsmitglied des „Verein für Naturwissenschaftliche Mittheilungen Carlsruhe”.
Bedeutung für das Fach Geologie
1829 publizierte Walchner eines der ersten Lehrbücher am Polytechnikum, das „Handbuch der gesammten Mineralogie“. Hinzu kamen in den Folgejahren weitere umfangreiche Lehrbücher zu Geologie, Mineralogie und Chemie. Walchner erbohrte 1839 Geothermalwässer in Bad Rothenfels und entdeckte 1847 Nickelvorkommen im Schwarzwald. 1851 initiierte er den Abbau von Blei-Zink-Silber bei Nussloch in der nach ihm benannten Friedrich-August-Grube. Zudem war Walchner Mitglied des 1835 in Karlsruhe gegründeten Badischen Bergwerksvereins. Dieser förderte Kobalt und Silber aus der Grube Sankt Anton im Schwarzwald, heute das Black Forest Observatory des KIT.
Bedeutung für die Gesellschaft
Ab 1833 war Walchner Mitglied der Badischen Ständeversammlung. Während der Revolution von 1848 gehörte er dem Frankfurter Vorparlament an. In dieser Zeit war er Mitautor des Staatslexikons der liberalen Freiburger Professoren Rotteck und Welcker.
1901 - Theodor Rehbock - Wasserbau

Bedeutung für Karlsruhe
Wasserbau war am Polytechnikum schon seit den Wasserbauingenieuren Tulla und Honsell von großer Bedeutung. Seit 1901 trug die Einrichtung des Flussbaulaboratoriums durch Theodor Rehbock weit über die Stadtgrenzen hinaus zum herausragenden Ruf der Technischen Hochschule im Wasserbau bei.
Bedeutung für das Fach Wasserbau
Das Theodor-Rehbock-Flussbaulaboratorium zählt mit dem Hubert-Engels-Labor in Dresden (1891) und dem Oskar von Miller Labor in Obernach (1926) weltweit zu den ersten und bedeutendsten Wasserbaulaboren. Die hier entwickelten Modellgesetze halfen, die Wirkungen wasserbaulicher Maßnahmen zu studieren und zu optimieren.
Bedeutung für die Gesellschaft
1907 entwarf Rehbock Pläne für ein Elektrizitätskraftwerk an der Murg: Neben der Strömung des Flusses sollte auch gestautes Wasser zur Stromerzeugung genutzt werden. Das sicherte auch in niederschlagsarmen Zeiten eine gleichmäßige Stromerzeugung. Auf Grundlage dieses Entwurfes entstand 1914 bis 1926 der „Rudolf-Fettweis Kraftwerkskomplex“ als Pumpspeicherkraftwerk u.a. mit der Schwarzenbachtalsperre.
1918 - Wilhelm Paulcke - Geologie

Bedeutung für Karlsruhe
Wilhelm Paulcke begründete den Hochschulsport in Karlsruhe – nicht zuletzt aus militärischen Erwägungen nach der deutschen Niederlage im 1. Weltkrieg. 1918 erweiterte er das Gelände der Technischen Hochschule um den vormals großherzoglichen Fasanengarten und veranlasste den Bau der ersten großen deutschen Hochschulsportanlage.
Bedeutung für das Fach Wasserbau
Paulcke wies nach, dass das Engadin ein tektonisches Fenster ist − ein durch Erosion entstandenes „Loch“ in der Gesteinsschicht – das einen Blick auf darunterliegende ältere Gesteinsschichten erlaubt. Er veröffentlichte 1912 das erste deutschsprachige Buch zur experimentellen Strukturgeologie.
Bedeutung für die Gesellschaft
Als begeisterter Bergsteiger war Paulcke 1905 Mitbegründer des deutschen und österreichischen Skiverbands. An seine alpinistischen Leistungen erinnern der Paulcketurm in der Silvretta, der Paulcketurm im Höllental oder der Mount Paulcke in der Antarktis.